Wissenswertes über den Suonen- und Sudelpark

Die trockenste Region der Schweiz

Das vordere Vispertal ist die trockenste Region der Schweiz. Am Messpunkt Ackersand unterhalb Törbel liegen die durchschnittlichen Niederschläge pro Jahr bei 520 Litern pro Quadratmeter. Die hohen Berge ringsherum zwingen die Wolken, ihre nasse Fracht ennet den Gipfeln und Pässen abzuladen – so geht die Walliser Talebene meist leer aus. Knapp vierzig Kilometer von Ackersand entfernt – im Mönchsjoch – misst man über 3500 Liter Niederschlag im Jahr.

Wässern um zu überleben

Was also an den Walliser Talhängen nicht bewässert wird, kann landwirtschaftlich nicht genutzt werden. Und da die sonnigen Terrassen nicht in den Talschründen zu finden sind, sondern auf den Balkonen draussen, mussten die Walliser seit ihrer Rodung und Besiedlung des langen Rhonetales das Wasser in den engen, steilen Tälern beim Ende der Gletscher «holen». Die älteste Wasserleitung des Wallis wurde vor wenigen Jahren beim archäologischen Arbeiten zum Autobahnbau im Pfynwald entdeckt. Sie wird der Römerzeit zugeordnet.

Lange Leitungen über unwegsame Gelände

Zur Niederschlagsarmut gesellen sich die fortwährend wehenden Winde, welche den Boden austrocknen. Von Mitte April bis in den September müssen daher Wiesen, Reben und Äcker bewässert werden, um überhaupt etwas ernten zu können. In tollkühn aufgehängten hölzernen «Känneln» überwanden die Erbauer im Mittelalter senkrechte Felswände mit der geringst möglichen Neigung, um ja kein Wasser zu verlieren. Nicht selten stürzten dabei Männer zu Tode, womit sie auch Sühne («Suone») für begangene Untaten in der Dorfgemeinschaft geleistet hatten. Im Laufe der Jahrhunderte entstand so ein weitverzweigtes Netz von tausenden Kilometern über das ganze Wallis, das von den Seitenbächen über die «Suonen» weiter immer feiner verästelt bis in jede genutzte Parzelle reichte.

Von der Aschepfi bis zum Zettwasser

In Unterbäch wurden die Elemente des Wässerns in Modellform aufgebaut. Ausser der Wasserfassung im Bach – der Aschepfi – wurden alle Elemente einer Suone umgesetzt: Der Entsander zum Eliminieren des überschüssigen feinen Sandes aus der «Gletschermilch», der Schlegel (Meldehammer) der klopft, solange das Wasser fliesst, der Abschlag zum Umleiten des Wassers, Kännel, die teilweise als Aquädukte aufgehängt sind, das Wärterhüüsi, wo der Suonenwärter gehaust hat, der Sonntagsweiher, der einen Teil des Wassers, das man am Tag des Herrgotts nicht nutzen durfte, das Bildstöcklein, bei dem man im Vorbeigehen den Segen Gottes erwünscht hat und die Zettwasserleitung, in der das überschüssige Wasser wieder dem Bach oder einer anderen Leitung zugeführt hat.